Wenn der Fensterflügel stört: Englische Fenster

© Fotolia, andersphoto, Nr. 106220597

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Mit einem „englischen Fenster“ ist im Grunde nichts anderes gemeint als ein Schiebefenster: Diese doch traditionelle Fensterart ist vor allem in Großbritannien, den USA und skandinavischen Ländern sehr verbreitet – und zwar überall dort, wo ein aufschwingender Fensterflügel stören würde.

Englische (bzw. viktorianische) Fenster bestechen durch ihre außergewöhnliche Optik und verleihen jedem Haus einen edlen Charakter. Lesen Sie mehr über die Besonderheiten dieser Fensterart – vielleicht sind dies ja genau die richtigen Fenster für Ihr Eigenheim!

Senkrecht vs. waagrecht schiebbar

Zum Lüften benötigen Sie bei einem Schiebefenster keinen Platz für sich öffnende Flügel: Die Scheiben lassen sich bei viktorianischen Fenstern bequem schieben. Dabei unterscheidet man zwischen

  • vertikaler Schieberichtung (Fenster lassen sich von oben nach unten aufschieben)
  • horizontaler Schieberichtung (Flügel werden seitlich verschoben).

Diese Öffnungsmechanismen bringen viele Vorteile mit sich: Erstens können Sie englische Fenster problemlos öffnen, ohne die Fensterbank abzuräumen (wie es bei gängigen Dreh-Kipp-Fenstern der Fall ist). Das garantiert eine optimale Lüftung ohne jegliche Raumeinschränkung.

Zweitens sind das Zuschlagen der Fenster bei Zugluft sowie eine Verletzungsgefahr durch schwingende Flügel ausgeschlossen – ganz schön praktisch, wenn Sie Kinder oder Tiere zu Hause haben!

© Fotolia, michael spring, Nr. 72083004

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Englische Fenster gestern und heute

Im 19. und 20. Jahrhundert setzten Engländer diesen Fenstertyp vor allem in Villen und Landhäusern ein. Bis heute sind viele denkmalgeschützte Gebäude erhalten, die mit Vertikalschiebefenstern ausgestattet sind; in deutschen Haushalten gehören sie hingegen eher in den Bereich der Sonderanfertigung.

Trotzdem werden sie aber gerne als Durchreiche in Küchen, Mensen, Eisdielen oder Schulen montiert – und mittlerweile zunehmend auch in Privathäusern, da die Vorteile der Öffnung ohne Raumeinschränkung (genau wie bei schiebbaren Türen) besonders bei kleineren Grundrissen ein echter Gewinn sind.

Aufbau englischer Fenster

Vertikalschiebefenster zählen zu den bautechnisch aufwendigen Fenster-Systemen. Sie verfügen über eine besondere Rahmenkonstruktion: Diese Konstruktion zeichnet sich dadurch aus, dass sie auf einer Seite einen versteckten Gewichtekasten hat, an dem Gegengewichte zum leichteren Auf- und Zuschieben hängen.

Der Fensterflügel selbst wird dabei in verschiedenen Ausführungen wie z.B. mit Pfosten, Kämpfer oder Oberlicht hergestellt. Begehrt sind aber vor allem die sogenannten „Wiener“ Sprossen, die lediglich auf dem Glas aufliegen und als „unechte“ Sprossen für die typische Retro-Optik sorgen.

Eine hochwertige Abdichtung sowie Isoliergläser sorgen auch bei englischen Fenstern für beste Wärmedämmeigenschaften. Für die Herstellung englischer/viktorianischer Fenster nutzt man traditionell Holz, mittlerweile kommen aber auch vermehrt Kunststofffenster sowie Aluminium und Werkstoffmixe zum Einsatz.

Tipp: Sie können viktorianische Fenster jederzeit mit einer speziellen Absturzsicherung nachrüsten, damit sie keine Gefahr für Kind und Tiere darstellen!

Englische Fenster sind nicht einfach zu pflegen

Bei allen optischen Vorzügen sei auch auf die Nachteile verwiesen: Wartung, Reparatur sowie Reinigung englischer Fenster sind leider mit höherem Aufwand verbunden, vorwiegend außen im Bereich der feststehenden oberen Verglasungen. Bei großem Winddruck neigen günstige bzw. nicht sachgemäß montierte Modelle außerdem zu erhöhter Undichtigkeit – ein fachmännischer Fensterservice zum Einbau ist also Pflicht!