Aussterbende Handwerkskunst

Früher hatte man erst etwas „Richtiges“ gelernt, wenn man eine Handwerksausbildung abgeschlossen hatte. Heutzutage spielen nur noch wenige Jugendliche mit dem Gedanken eine Ausbildung in der Handwerksbranche zu beginnen. Leider ist nicht nur der allgemeine Mangel an Ausbildungsplätzen ein wachsendes Problem, sondern, auf der anderen Seite, auch der Mangel an motivierten Azubis. So ist die Sorge durchaus berechtigt, daß auf lange Sicht ganze Handwerksbranchen sprichwörtlich „aussterben“.

Wie viele Jugendliche haben bzw. kennen heute noch den Umgang mit Werkzeugen? Nicht wenige sind kaum fähig mit Hammer und Nagel umzugehen. Daher entschließen sich viele für eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich, doch gerade die Handwerklichen Berufe sterben somit Stück für Stück aus. Vielen ist es in den kleinen Handwerksbetrieben zu anstrengend oder zu langwierig. Eine Ausbildung als Eventmanager/in oder Mediengestalter, klingt in vielen Ohren weitaus attraktiver als eine Ausbildung zum Maurer oder Dachdecker. Die führt dazu, dass die „modernen“ Ausbildungen völlig überlaufen sind und sich vor Bewerbern kaum noch retten können. Im Handwerksbereich hingegen fehlen zusätzlich noch die qualifizierten Bewerber. Viele Jugendliche sehen die Handwerksbranche als letzte Alternative, falls es zuvor nicht in den gewünschten Berufszweigen geklappt hat. Dementsprechend fehlt es hier dann nicht nur an Begeisterung und Geduld, sondern oft auch allgemeinen Voraussetzungen und handwerklichem Geschick. Gerade aber in einer Handwerksausbildung können Jugendliche ihre Fähigkeiten (weiter-)entwickeln, dabei ihre Kreativität entfalten und letztendlich auch stolz auf sich und ihr Werk sein.

Mittlerweile gibt es zwar viele technische Geräte und Hilfsmittel die das Handwerken merklich erleichtern, doch gerade Handarbeit kann und sollte man nicht durch Maschinen ersetzen, da die Tradition und die Handwerkskunst nach und nach verloren geht. Ein symbolischer Spagat zwischen Tradition und Moderne könnte hier Abhilfe schaffen. Aus wirtschaftlicher Sicht gehört die Handwerksbranche, die mehr als 4,8 Millionen Menschen beschäftigt zu einem bedeutendem Standbein der deutschen Wirtschaft. Umso wichtiger ist es also, den Nachwuchs zu fördern und das Know-How zu bewahren und weiter zu geben.